Kritische Betrachtung! -   Darstellung von angeblichen Vorfällen mit dem Wolf in den Medien

 

Artikel in der Oldenburgischen Volkszeitung vom 26.03.2018, Seite 20 in der Printversion, „Fressender Wolf will sich nicht vertreiben lassen“ und Oldenburgische Volkszeitung vom 27.03.2018, Seite 22 (Printversion), „Offensichtlich hat ein Hund das Reh gerissen“, von Matthias Niehues.

 

In Brockdorf, Lohne, Kreis Vechta ist angeblich ein Reh gerissen worden. Ein Hund wurde dabei per Handy gefilmt, wie er an dem Rehkadaver auf einer „Weide“ fraß.

 

Dieses „Handy-Video“ war bereits am 24.03.18 veröffentlicht worden.

 

Eine für guten und seriösen Journalismus angemessene Recherche oder Nachfrage bei Personen, die sich mit Wölfen auskennen, hätte dem Autor dieses Artikels (vom 26.03.2018) schon von vorneherein vermitteln können, das es sich bei den „Handy-Videoaufnahmen“ nicht um einen Wolf handelt.

 

Die Fellkennzeichnung des Tieres in dem Video entspricht nicht dem eines Wolfes (z.B. fehlender Sattelfleck auf dem Schulterbereich). Die weiße wolfstypische „Gesichtsmaske“ fehlt diesem Tier völlig.

 

Weiterhin haben Wölfe auf Wanderschaft (sie sind dann zwischen 1-2 Jahre alt) zu dieser Jahreszeit ein dichtes Winterfell, was deutlich zu erkennen ist und diesem Tier auf dem „Handy-Video“ völlig fehlt.

 

Dennoch wurde im gesamten Artikel nur davon gesprochen, das ein Wolf das Reh gerissen hat und nun an seiner Beute gefressen hat.

 

Es ist bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht nachgewiesen, das ein Wolf dieses Reh überhaupt gerissen hat. Die DNA-Analyse steht noch aus. Eine mögliche Nachnutzung wird von vorneherein ausgeschlossen.

 

Ein Wolf würde seine Beute „ohne Not“ nicht auf so einen exponierten Platz schleppen, sondern die Beute an einen geschützten Ort bringen, um es dann in Ruhe bzw. weitestgehend ungestört fressen oder zumindestens verstecken zu können, um sie dann später aufzusuchen.

Das artgerechte Verhalten eines Wolfes wäre auch, wenn sich Menschen diesem „Futterplatz“ nähern würden, unverzüglich die Flucht zu ergreifen.

 

Diese fachlichen Zusammenhänge wurden ignoriert, Mutmaßungen geäußert und Ängste geschürt.

 

Der darauffolgende Artikel vom 27.03.18 („Offensichtlich hat ein Hund das Reh gerissen“) räumt dann ein, es könnte sich doch um einen Hund handeln.

 

Der am 26.03.2018 bereits veröffentlichte Artikel wird aber weder berichtigt, noch sich für die falsche Berichterstattung entschuldigt, geschweigedenn in irgendeiner Weise auf diesen Artikel Bezug genommen.

 

Mittlerweile ist bekannt geworden, das es sich bei dem angeblichen „Wolf“, der an dem Reh gefressen hat, um den Hund „Betto“ handelt, der vor mehreren Jahren von einem Tierheim an einen Bewohner des Ortes Brockdorf vermittelt worden ist.

 

Die mehrfachen unsachlichen und nicht zielführenden Hinweise in dem Artikel, es könne sich aber auch um einen Wolfshybriden handeln, werden damit mehr als entkräftet.

 

Weiterhin ist nur schwer nachzuvollziehen, das dem hinzugezogenen Wolfsberater bisher keine Rissbilder von Hunden (an Nutztieren) bekannt sind. Bekannt sein müsste aber, das von Hunden gerissene Rehe, unter Umständen erheblicheVerletzungen aufweisen können.

 

Dies ist insofern unverständlich, da bereits in der vergangenen Zeit auch in Lohne, DNA-Spuren von Hunden an Nutztierrissen, offiziell nachgewiesen worden sind.

 

Zum wiederholten Male sind, wie zuvor in der Vergangenheit, nun auch mit diesen zwei Artikeln wieder ungeprüfte, unsachliche und falsche Betrachtungen veröffentlicht worden, mit dem mutmaßlichen Ziel, den Wolf in ein falsches Licht zu stellen.

 

Es zeigt das wie so oft, das menschliches Fehlverhalten zu einem „Problem“ wird, aber nicht der Wolf der Verursacher von allen „Vorfällen“ ist.

 

Die um Sensation ringende Berichterstattung über den Tod eines Wildtieres (hier Reh) erscheint hingegen äußerst fragwürdig.

 

Es ist in der Natur zwingend vorgesehen, das Predatoren Wild jagen, um es dann als Beute für das Überleben ihrer Familie und ihrer Jungtiere zu verwenden. Von daher ist der Riss eines Rehes grundsätzlich nichts ungewöhnliches und es verwundert sehr, das dies eine Zeitungsmeldung überhaupt hervorruft.

 

Wenn aber solche ökologischen Zusammenhänge ignoriert werden, um dann einem berechtigt streng geschützten Tier zu schaden, ist die Intention solcher unsachlichen Artikel mehr als offensichtlich.

 

Solche unsachlichen Artikel sind weder förderlich noch notwendig, um das friedliche Zusammenleben mit dem Wolf zu gewährleisten.

 

Es ist zu wünschen, das der Journalismus wieder zu den Aufgaben zurückkehrt, die ihm ursprünglich inne wohnen... Dies ist vor allem die objektive Betrachtung eines Themas, die alle Seiten berücksichtigt, um dann sachlich zu informieren...

 

In diesem Sinne,

 

Jan Olsson

 

(1. Vorsitzender)

 

 

Anmerkung:

 

Eine Darstellung von Artikeln (z.B. als Foto oder screenshot) auf websiten, ist aus urheberrechtlichen Gründen nicht gestattet bzw. bedarf einer Genehmigung des Urhebers.

Insbesondere sind diese erwähnten Artikel in den Printmedien der Tageszeitung erschienen und somit ist eine Verlinkung nicht möglich.

 

Aufgrund dieses Umstandes ist eine direkte Vergleichbarkeit leider nicht möglich. Ich bitte dies zu berücksichtigen.

 

Kritische Betrachtung! Artikel in der Oldenburgischen Volkszeitung Vechta vom 26.03. und 27.03.2018
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