Neuigkeit vom 28.09.2017                 Die Tötungsaufforderungen gegen die Goldenstedter Wölfin und ihrer Jungwölfe nehmen massiv zu!

Das Foto (von Jan Olsson) zeigt den weiblichen Jungwolf des Rudels der Goldenstedter Wölfin. Sie ist eine der beiden noch lebenden Jungwölfe der Goldenstedter Wölfin.

 

Der Jungwölfin und ihrem Rudel drohen sehr viele Gefahren! Neben dem möglichen illegalen Abschuss werden jetzt verstärkt vor der Landtagswahl in Niedersachsen die Abschussforderungen gegen die Wölfe, von den verschiedensten Seiten ausgesprochen.

 

Von den politischen Parteien wird unter anderem gefordert, den Wolf in Niedersachsen in das Jagdrecht zu übernehmen, aus der falschen Annahme schlußfolgernd, mit dieser Maßnahme, den Wolf irgendwann doch noch erschießen zu können.

 

Dies würde aber auch nach der Aufnahme in das Jagdrecht nicht möglich sein. Aufgrund des hohen Schutzstatusses des Wolfes wäre er nach dem Jagdrecht ganzjährig geschont. Das heißt, die Jagd darf nicht auf den Wolf ausgeübt werden (aktuelles Beispiel das Bundesland Sachsen).

 

Weiterhin wird gefordert, Wölfe die sich Siedlungsbereichen nähern zu erschießen. Dies ist kein Grund. Bereits im BfN Skript 201 (Ilka Reinhardt, Gesa Kluth 2007, Seite 115 ) wird diese Thematik folgendermaßen eingeschätzt: „Wölfe meiden Menschen aber nicht menschliche Strukturen“. Es ist normales Verhalten und Bedarf keiner Handlung.

 

Eine andere Gruppierung fordert „Wolfsfreie Zonen“... Was bedeuted das? Die Forderer dieser These ignorieren völlig das Verhalten und die Lebensweise des Wolfes. Der Wolf ist ein „Langstreckenwanderer“. Das zeigt sich vor allem in dem Verhalten der Jungwölfe, wenn sie ein bis zwei Jahre alt sind und das Rudel verlassen, um sich ein neues eigenes Gebiet zu suchen (Wanderungen über mehrere hundert Kilometer möglich).

 

Ein freilebendes Tier mit sehr großem Aktionsradius auf engräumige Landschaftsbereiche begrenzen zu wollen, ist nicht sinnvoll. Das könnte unter anderem bedeuten, Einzeltiere oder sogar ganze Rudel zu töten, sobald die Wölfe diese Bereiche verlassen würden. Und das widerspricht eindeutig dem hohen Schutzstatus des Wolfes. Mittlerweile ist auch bekannt, das die territorial lebenden Wölfe ihr Gebiet gegen andere Wölfe verteidigen und somit indirekt sogar die Nutztiere vor Zugriffen beschützen.

 

Das Erschießen einzelner Tiere zerstört das Rudelgefüge und führt dann unter Umständen genau dazu, was man eigentlich vermeiden wollte, zu einer Steigerung der Nutztierrisse (z.B. wie beim dem Cuxhavener Rudel, die Leitwölfin wurde illegal erschossen).

 

Eine andere Partei fordert sogar das Cuxhavener und das Goldenstedter Rudel umgehend zu erschießen. Vor allen Dingen im Bereich des Gebietes des Goldenstedter Rudels ist der Herdenschutz, trotz der bereits seit 3 Jahren anwesenden Wölfin, immer noch mehr als unzureichend. Es gibt immer noch sehr viele Bereiche, die keinen oder nur unzureichenden Herdenschutz besitzen. Anstatt diesen Herdenschutz, der ohne weiteres nach Antrag möglich ist, vorzunehmen, wird ständig nur der Abschuss gefordert.

 

Das Problem wird so nicht gelöst. Ein „attraktiver“ Lebensraum der Wölfe wird nach der Erschießung des territorialen Rudels, sehr schnell von anderen Wölfen wieder besetzt werden. Und diese Wölfe treffen dann immer noch auf unzureichend oder ungeschützte Nutztiere.

Unzureichende Zaunsicherung für Nutztiere im Raum Vechta

 

 

 

 

 

Foto: Jan Olsson

 

Nur die Kombination von wirksamen wolfssicheren Zäunen, Herdenschutzhunden und das Bemühen des Menschen seine Tiere schützen zu wollen, wird auf Dauer ein wirksamer Schutz sein. Hinzu kommt das ein Nutztierhalter bereits vom Gesetz her verpflichtet ist, alles nur mögliche zu unternehmen, um seine Nutztiere entsprechend zu schützen.

 

Erschwerend kommt in dieser Situation noch hinzu, das regionale Medien und deren Vertreter, nur wenig an der wahrheitsgemäßen Darstellung der Situation interessiert sind. Die Vorkommnisse werden sehr oft ungeprüft (eine DNA-Analyse wird nicht abgewartet und der Wolf sofort als Verursacher von Rissen betitelt) und einseitig wiedergegeben bzw. veröffentlicht.

 

Es ist sehr zu wünschen, das wieder Sachlichkeit und Fachlichkeit in die Diskussionen Einzug halten, um dann gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Ständige Tötungsaufforderungen gegen ein geschütztes Tier fördern dies in keiner Weise.

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