Email des W-I-S-Z-V an die Redaktion om-online zu dem podcast "Wie müssen wir zukünftig mit unseren Mooren umgehen?"

Anmerkung:

Nach dem zweiten Foto findet sich der Brief an die Redaktion podcast om-online, sowie eine pdf dieses Briefes/Email zum kostenlosen Download.

 

In dem podcast wird u.a. die Verwendung von intakten Mooren beschrieben. Diese gibt es in Barnstorf, Niedersachsen und Deutschland nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form.

 

Link zu dem podcast außerhalb dieser website, "Wie müssen wir zukünftig mit unseren Mooren umgehen"? om-online:

 

Wie müssen wir zukünftig mit unseren Mooren umgehen? om-online

 

97 % der Moore in Deutschland sind unwiederbringlich zerstört.

Und das durch den Menschen...

Nur, das scheint bei vielen Menschen noch nicht angekommen zu sein. Er bzw. sie sprechen immer noch von Mooren, als wären sie vorhanden...

 

Dabei sind z.B. im ehemaligen "Großen Barnstorfer Moor" nur noch aktive Abbauflächen und ehemalige Abbauflächen vorhanden.

Intaktes ursprüngliches Moor gibt es schon längst nicht mehr. Es ist zerstört.

Da helfen auch keine noch so gut gemeinten Aktionen wie die Wiedervernässung.

 

Unsere Moore sind in knapp 70 Jahren durch industrielle Abbaumethoden durch den Menschen kaputt gemacht worden...

 

Die Moore, die der Mensch vorgefunden hat, haben 5.000 bis 10.000 Jahre gebraucht, um diesen Zustand zu erreichen!

Wie vermessen ist es denn zu behaupten und wer will das kontrollieren, das es in 10.000 Jahren wieder "ein" Moor geben wird.

 

Das ist der Zeitraum von der letzten Eiszeit bis heute. Damals sind unsere Vorfahren noch im Lendenschurz durch die Wildnis "gehüpft" und haben Mammuts gejagt...

 

Die Bereiche, wo der Torf abgebaut worden ist und sich selbst überlassen wurde (Kiefer- und Birkenwälder), ist für viele Tiere der letzte Überlebensraum, den sie finden können, in der sie umgebenden ausgeräumten Agrarlandschaft.

 

Die letzten Rückzugsgebiete,...... auch für den Wolf!

 

Gruß

 

Jan Olsson

 

 

Wolf-Informations-und Schutz-Zentrum-Vechta e.V. Vechta, 01.06.2022

Dipl.-Ing. Jan Olsson

Falkenweg 43

49377 Vechta / Niedersachsen

Tel. 0162 – 6 41 41 33

email: info@w-i-s-z-v.de

https://www.w-i-s-z-v.de/

 

 

Redaktion@om-medien.de

 

 

Podcast OM Online „Wie müssen wir zukünftig mit unseren Mooren umgehen“ –

Episode 52

 

Sehr geehrter Herr ....................,

 

aufgrund unserer Forschung und Schutzmaßnahmen über und für die Tierart Wolf, sind wir u.a. auch im „Großen Barnstorfer Moor“ oder auch „Goldenstedter Moor“ im Rahmen von Exkursionen etc. sehr oft unterwegs.

 

Nur, es gibt dort kein intaktes Moor mehr! Sie sprechen in Ihrem Podcast ständig davon, das in Zeiten des Klimawandels, sehr wichtig ist, das Moor zu erhalten.

 

Da kommen Sie mit Ihrem frommen Wunsch „etwas“ zu spät.

 

Um es noch einmal zu wiederholen. Es gibt im „Barnstorfer Moor“ keinen cm² mehr, der einem intakten Moor entspricht.

 

Es ist bereits alles zerstört!

 

In diesem Zusammenhang von einem Moor zu sprechen ist blanker Hohn gepaart mit anscheinend naiver Unwissenheit.

 

Man (!) schätzt, das es in Gebiet der Bundesrepublik noch ca. 3-5 % intakte Moorflächen gibt. 97% sind bereits zerstört!

 

Und das wurde in nur 60 Jahren durchgeführt, als der industrielle Abbau des Torfes in den 50 und 60 Jahren des letzten Jahrhunderts in den Mooren begann.

 

Sie diskutieren in Ihrem Podcast somit über ein fiktives Thema.

 

Die ca. 3000 ha große Fläche des sogenannten „Barnstorfer Moores“ sind nur noch ehemalige Abbauflächen oder es wird noch aktiv Torf auf den verbleibenden Flächen abgebaut!

Siehe auch unseren Bericht auf der website des WISZV. In dem Bericht finden Sie weitere Analysen und Fotos zum Thema „Ex-Moor“:

 

Das Feuer im „Goldenstedter Moor“ ab Ostermontag 22.04.2019 – Gefahr für die Wölfe? - Analyse der möglichen Ursachen und Zusammenhänge...“

 

Link zu dem Bericht:

 

https://www.w-i-s-z-v.de/w-i-s-z-v/neuigkeiten-archiv-bis-februar-2020/neuigkeit-vom-07-05-2019/

 

 

Und wie kommen Sie darauf das durch die sogenannte „Wiedervernässung“ von ehemaligen Abbauflächen wieder ein intaktes Moor ensteht?

 

Bei der sehr geringen Wachstumsfähigkeit des Torfmooses, das für ein Moor unerläßlich ist, dauert es zwischen 5.000 bis 10.000 Jahre bis wieder theoretisch ein Moor entstanden sein könnte (so wie es der Mensch vorgefunden hat). Nicht wie Sie formulierten, ein paar Dutzend oder hunderte von Jahren...

 

Nur, wer will mit Sicherheit wissen, was in 10.000 Jahren ist?

 

Ein vergleichbarer Zeitraum ist, wenn Sie sich die Mühe machen, in die Vergangenheit zu sehen.

 

Die Moore, die nun alle bereits vernichtet sind, entstanden nach der letzten Eiszeit, also vor ca. 10.000 Jahren. Die Zeit als unsere Vorfahren noch im Lendenschurz Mammuts jagten...

 

Wenn Sie also von den (ehemaligen) Moorgebieten sprechen, verinnerlichen Sie bitte, das das eigentliche Moor zerstört ist. Und sagen Sie dies auch.

 

Ansonsten wird von Ihnen suggeriert, man könne das Moor noch retten!

 

Das Moor ist nicht zu retten... es ist bereits zerstört! Durch den Menschen!

 

Der Torf aus den ehemaligen Mooren wird als Anzuchterde und nicht vorhandener Dünger für Hausgärten verunglimpft.

 

Es gibt inzwischen bessere Alternativen zu Torf als Anzuchterde. Und als Dünger taugt Torf überhaupt nicht. Das einzige was in dem Torf enthalten ist, der heute verkauft wird, ist der künstlich dazu gegebene Mineraldünger. Dessen Wirkung nach ein paar Monaten weg ist.

Es bleibt nur trockener Torf ohne Humus zurück, der bei Trockenheit nur schwer wieder nass zu bekommen ist.

 

Zudem ist der ph-Wert so niedrig, das er den Gartenpflanzen mehr schadet als gut tut. Z.B. Rosen mögen es kalkhaltig. Wenn man also den sauren Torf an die Rosen wirft, „damit es gut aussieht“, schadet man den Rosen. Die Rose reagiert dann auf den Torf mit Krankheiten und Schädlingsbefall.

 

Landwirtschaft auf ehemaligen Abbauflächen. Es gibt Weiden im Bereich des „Ex-Barnstorfer Moores“, die bereits seit Jahren nicht mehr genutzt werden.

 

Das ist auch kein Wunder. Die „Grasnarbe“ ist so dermaßen dünn und liegt praktisch nur auf dem darunter liegenden Torf auf. Man kann diese „Grasnarbe“ einfach mit der Hand abnehmen und den darunter liegenden Torf deutlich erkennen.

 

So bleibt es bei diesen Bedingungen nur bei einer Besiedlung der Ex-Abbauflächen von mageren Grassorten, die dem Weidetieren nur sehr wenig bis gar keine Nährstoffe liefern könnten und so von vorneherein eine Beweidung ausschließen würden.

 

Dennoch, trotz aller Negativpunkte, dienen die „Ex-Moorbereiche“ vielen Tierarten, die auch früher mal im Moor vorkamen, als letzte Rückzugsgebiete vor der totalen Zersiedlung der Landschaft durch den Menschen.

 

Weil, wenn der Mensch ersteinmal alles kaputt gemacht hat, dann Heurschreckenartig weiter zieht, um weitere Flächen zu zerstören, diese Flächen sich selbst überlässt und kein Interesse mehr an ihnen hat!

 

Und wie muss es doch zynisch in den Ohren der ehemaligen Moorbewohner klingen, wenn die Firma, die die Vernichtung des Moores vornimmt, eine Stiftung zur Rettung des Moores gegründet hat.

 

Ich möchte Sie daher auffordern, bei weiteren Gesprächen etc. nicht mehr von Mooren zu sprechen als wären sie noch existent...

 

Es gibt sie nicht mehr... und verantwortlich dafür ist der Mensch in seiner unendlichen Gier, die keine Rücksicht auf andere Lebewesen nimmt, die auch ein Recht auf Leben haben...

 

Mit freundlichen Grüßen

 

 

Jan Olsson

 

 

Brief / Email an Redaktion podcast om-online "Wie müssen wir zukünftig mit unseren Mooren umgehen?"
Brief an Podcast OM Online Moor Juni 202[...]
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